Ich vertraue ihnen!

Bitte brechen Sie das Siegel –

und entscheiden dann, wie Sie weiter verfahren wollen!

LSF
Ulm, im August des Jahres 1811

Hochverehrte Frau von Arnim,

verzeiht mir die Freiheit, Euch ohne vorherige persönliche Bekanntschaft
anzuschreiben. Ich hoffe, dass der Name unserer gemeinsamen Freundin
Grete mir als stilles Geleit dienen möge, auch wenn sie sich derzeit
bedauerlicherweise nicht im Lande befindet.

Grete sprach von einem Kreis, dessen Zusammenkünfte nicht dem bloßen
Zeitvertreib dienten, sondern dem Austausch von Gedanken, die andernorts
selten laut werden dürfen. Gerade diese Vorsicht aber hat meine
Aufmerksamkeit geweckt.

Ich lebe derzeit in Ulm, werde mich jedoch bald nach neuen Betätigungsfeldern umschauen müssen und zähle mich nicht zu jenen Frauen, die leicht in gewohnte Bahnen finden. Mein Wesen ist von tätigem Elan, mein Körper eher von Arbeit als von Schonung geprägt, und mein Kopf voller Einfälle, die sich nicht immer mit den Erwartungen meiner Umgebung decken. Aufgrund der Abwesenheit meiner Brüder habe ich früh gelernt, mit Mechanik und feiner Arbeit umzugehen, und finde im Erfinden ebenso viel Freude wie im Beobachten.

Sollte es Eurem Ermessen entsprechen, mir Gelegenheit zu geben, Euch – oder einem von Euch benannten Mitglied Eures Kreises – vorgestellt zu werden, so würde ich dies als große Ehre betrachten und mit der gebotenen Verschwiegenheit begegnen. Ich bin mir bewusst, dass Vertrauen nicht erbeten, sondern erworben wird; dennoch wollte ich es nicht versäumen, mein aufrichtiges Interesse kundzutun.

Sollte mein Ansinnen verfrüht oder unangebracht sein, so bitte ich Euch, diese Zeilen ohne weitere Verpflichtung beiseitezulegen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung verbleibe ich

Katrein Pflug